ZURÜCK

Ônibus 174 | Bus 174
BR 2002, R: José Padilha, 150‘ | 35 mm, OmeU



Am 12. Juni 2000 überfällt der 21-jährige Ex-Gefangene Sandro do Nascimento die
Buslinie 174 im Mittelschichtsviertel Jardim Botânico in Rio de Janeiro. Er nimmt alle Passagiere als Geiseln und fordert 300 Dollar Lösegeld. Verwackelte Bilder der Geiselnahme werden vier Stunden lang live im nationalen Fernsehen übertragen – mit 35 Millionen Zuschauern ein rekordverdächtiges mediales Event. Der Attentäter wirkt unsicher, die SWAT Polizei agiert dilettantisch, die Geiselnahme endet in einer Katastrophe. José
Padilhas Dokumentarfilm, der vorgefundenes Material – aus TV-Berichten und
Verkehrskameras – mit Zeugenaussagen kombiniert, rekonstruiert nach und nach das triste Leben Sandro do Nascimentos. So erfährt man, dass er ein Straßenkind war, das seinen Vater nie kennengelernt hat und dessen Mutter vor seinen Augen getötet wurde. Als Jugendlicher erlebte er das Massaker von Candelária: Auf dem Platz vor der gleichnamigen Kirche wurden in der Nacht des 23. Juli 1993 acht Straßenkinder von Sicherheitskräften getötet. Später landet do Nascimento im Gefängnis. Ônibus 174 ist nicht sensationslüstern,
sondern zeigt, wie materielle und soziale Umstände das Leben seines Protagonisten determinierten, ohne ihm das mediale Stigma des Favela-Außenseiters aufzuprägen.

Fr 4.6. 21h
Di 8.6. 20h


Einführung: Bert Rebhandl


ZURÜCK