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Ma dai fu de zhen suo | Dr. Ma’s Country Clinic
RC 2008, R: Cong Feng, 215' | DVD, OmeU



Huangyangchuan, Kreis Gulang, Provinz Gansu in der Volksrepublik China: ein gebirgiges und karges Gebiet, in dem prekäre Lebensumstände vorherrschen. Die Jungen fliehen diesen Ort, um bessere Arbeit zu finden, die Verbliebenen kämpfen gegen Dürre und Krankheit. Ma Bingcheng ist der Arzt dieser Gemeinschaft, ein Autodidakt der traditionellen chinesischen Medizin. Der Regisseur Cong Feng dreht mit Dr. Ma’s Country Clinic seinen zweiten Dokumentarfilm: Über mehrere Jahre hinweg stellte er seine Kamera immer
mal wieder in der Landarztpraxis auf. Dieser Ort wird einerseits zum Spiegel, der die Lebensbedingungen der Bauern reflektiert: Die Gespräche der Menschen über ihren ärmlichen Alltag stehen in krassem Gegensatz zur pompösen Fortschrittsrhetorik der Kommunistischen Partei während des ökonomischen Booms. Andererseits ist die Landarztpraxis aber auch eine »Bühne«, auf der Doktor Ma – wie Cong Feng selbst im Interview sagt – zum »Moderator der Show« wird. Die Kamera ist ein diskretes und
respektvolles Auge. Aus einem Eck der Praxis filmt sie die langen Unterredungen fast unsichtbar, nicht als Voyeur, sondern als interessierter Beobachter. Darum wirkt der Moment, als ein Patient sich bewusst an die Kamera wendet, umso irritierender: »Ich wünschte, dieser Film könnte unsere Schmerzen lindern«. Als Antwort – das Schweigen der Kamera.

Di 29.6. 19:30h

Einführung: Elena Meilicke


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